RP - Blutige Münzen

„Maliae?“ Suchend sah sich Januk in der winzigen Hütte um. Der Geruch des Meeres vermischte sich mit dem gebratenen Fett, welches gerösteten Fisch in sich trug. Kalt, schal, abgestanden. „Bist du hier?“ Unsicher machte er einen Schritt nach vorne, einen weiteren und erstarrte, als er seine Eltern blutüberströmt am Boden liegen sah. Seiner Mutter hatte man die Kehle mit einem präzisen Schnitt geöffnet, seinem Vater die Augen herausgestochen und das Herz geraubt. Januks Augen füllten sich mit Tränen des Entsetzens, seiner Kehle entwich ein Laut, einem Quieken ähnlich. Schreien sollte er, doch was würde das noch bringen?
„Schwester?“ Ihren Namen wispernd, raschelte es hinter ihm. Herumfahrend sah er konzentriert in die Dunkelheit vor sich, nichts ahnend, dass der Tod längst hinter ihm lauerte. „Bist du hier?“
„Nein, ist sie nicht.“ Süß der Geruch des Weines, welcher aus den Lippen strömte, die Nahe seines Ohres ruhten. „Und im Namen des Zweigesichtigen glaube ich nicht, dass du sie noch einmal sehen wirst. Oh, und nur damit wir das geklärt haben, lieber, kleiner, Januk. Es ist nichts persönliches …“ Hätte Januk gewusst, wie schlimm sich sterben anfühlte, er wäre dem Tod von der Schippe gesprungen. Doch nun war es zu spät. „Ihr werdet sie nie finden …“ Röchelnd raunte er die Worte, während er in die Knie brach. „Niemand kann sie finden, wenn sie nicht gefunden werden will.“

Der Zweimaster hob und sank in den stürmischen Wellen, die Gischt schlug ihr unbändig ins Gesicht, durchnässte ihren Körper bis auf die Unterwäsche. Der Wind, schneidend und kalt, trieb ihr die Tränen in die Augen. Denn sie weinte nicht. Sie weinte nie. Nicht einmal jetzt, wo niemand sie sah, wo sie alleine fern ihrer Liebsten war, würde sie sich den Tränen hingeben. „Wie lange wird es brauchen, bis wir in Tamaree ankommen?“
„Bei dem Wetter? Sicher noch zehn Tage und Nächte.“
Toll. Der Zweigesichtige schien es nicht gut mit ihnen zu meinen, doch die, die hier an Bord des Schiffes waren, würden es – wie sie – wegstecken. „Ihr solltet wieder unter Deck gehen, edle Dame. Hier oben ist es nicht sicher für euch!“
Seine Hand packte ein Seil fester, eine neue Welle brach über ihren Köpfen zusammen, hell leuchtete ein Blitz über den fernen Horizont und zeigte für einen Moment die stürmische See. „Die Südlande meinen es nicht gut mit uns.“ Seine Bitte ignorierend strich sie sich eine tropfnasse, sonnenblonde Strähne aus der Stirn.
„Oh, das sehe ich ganz anders. Bei diesem Wetter wird die Schwarze Hand nicht auf Beutejagt gehen und wir kommen unbehelligt ans Ziel.“
Da hatte der junge Schiffsmann auch wieder recht. Keine Piraten bedeutete immerhin kein unnötiger Kampf und Maliae wollte auf jeden Fall vermeiden, sich selbst verteidigen zu müssen. Nichts wäre verräterischer als eine junge Frau, die Männer ermordete als wären es kleine Püppchen.
„Sagt, junge Dame, wie soll ich euch eigentlich nennen?“
Fragend sah sie ihn an, hellbraune Augen – beschattet von dichten Wimpern legten sich auf seine kindlichen Züge. „Nennt mich Mae, Schiffsbursche.“
„Ihr solltet auf euch acht geben, Mae. Unter deck herrschen raue Töne und wir haben selten eine Frau auf der Überfahrt an Bord, weil …“
Dankbar lächelte sie ihn an, dann wandte sie sich wieder dem Meer zu. „Keine Angst, mir wird nichts geschehen.“
Zumindest hoffte sie es …

#Infos für die, die einsteigen wollen: Wir beginnen die Reise auf dem Schiff „Kardiana“ – der Kapitän, ein Quin, bringt Waren zum Handel nach Tamaree und hat auf seiner Reise Halt in den unterschiedlichen Nationen gemacht. Der Sturm, der das Schiff durchbeutelt, scheint dem Kapitän keine große Sorge zu bereiten, doch für die, die nicht schiffstauglich sind, könnte er eine ziemliche Herausforderung sein. Maliae ist offiziell eine magie-unbegabte Ruu – ihre hellen Haare und die braunen Augen verraten jedoch, dass sie ein Mischlingskind ist – diese Kinder haben in der Welt von Aurelis weniger Status als die, die zu einer Rasse gehören. Im Reich der Taresh (also unsere Spiele-Welt) ist das allerdings anders. Jeder, der nach Tamaree geht, geht dort hin, weil er auf neutralem Boden leben möchte. Dort haben Tygli Kinder mit Anassus (Zwerge mit Kindern der Nacht) … Ich würde gerne an Bord des Schiffes die Protas zusammenbringen, nur so ergäbe es einen Sinn, wieso sie in Tamaree an einem Strang ziehen würden :slight_smile:
Nachrichten die Offtopic sind, schreibt man hinter einer # - und wenn man einmal länger nicht posten kann, steigt man aus dem Fluss aus, damit die anderen nicht warten müssen :slight_smile:
Was sagt ihr - seid ihr dabei?

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Er stand an der Reling und blickte in den Sturm. Seine Augen fixierten den kleinen Fleck am Himmel. Der weisse Falke flog ruhig als würde der Sturm nicht existieren. Yasokuul dachte an die erste Begegnung mit dem Falken zurück. Damals war er noch ein anderer Mensch und trug einen anderen Namen.

Lachend ritt Tarosh über die weiten grünen Wiesen die das Dorf Sulati umgaben. Der Wind fuhr im durch das Nussbraune Schulterlange Haar. Mit 12 war er schon ein begnadeter Reiter aber das war normal für einen Sukai sie wurden praktisch im Sattel geboren. Er liebte es der Abendsonne entgegen zu reiten und heute war ein besonderer Tag. Das Ritual der Mannwerdung stand an. Heute würde er dem Zweigesichtigen ein am Morgen selbst erlegtes Wild als Opfer darbringen und mit dem Segen des Gottes würde er zum Mann werden.
Als er ins Dorf zurückkehrte waren die Vorbereitungen für das Ritual bereits abgeschlossen. Sein bester Freund Mohrak kam ihm entgegen gerannt und begrüsste ihn aufgeregt auch er würde heute das Ritual vollziehen. „Beeil dich! Der Älteste und die anderen wartet bereits auf uns.“ trieb er Tarosh an. In der Hütte des Ältesten legten sie die Rituellen Kleider an und nahmen das Wild das sie erjagt hatten entgegen. Dann traten sie auf den Dorfplatz. Dort hatten sich bereits alle Bewohner von Sulati versammelt. Alle Jubelten als die angehenden Männer mit ihrer Beute vor den Altar des Zweigesichtigen traten. Als erstes legte Mohrak sein Opfer auf den Altar er kniete sich vor dem Opferstein auf den Boden und senkte demütig das Haupt. Nachdem er die Worte der alten Überlieferung rezitiert hatte sprach der Älteste:„Erhebe dich Mohrak als Junge hast du den Tag begonnen als Mann wirst du ihn beenden.“ Nun war Tarosh an der Reihe freudig nährte er sich dem Altar und platzierte das Opfer genau in der mitte des Steins. Dann ging er in die Knie. Er wollte gerade damit beginnen die Worte zu sprechen die er von klein auf von seinem Vater gelernt hatte als plötzlich ein rasender Schmerz seinen Kopf durchzuckte. Erschrocken schloss er die Augen und als er sie wieder öffnete war die Welt nicht mehr dieselbe.
Überall um ihn herum nur Feuer Rauch und Schreie. Der Geruch von Blut und verbranntem Fleisch. Plötzlich stürmte ein Reiter aus dem Rauch genau auf ihn zu. In Panik fiel er zu Boden schloss die Augen und schrie. Aber anstatt eines gewaltigen Schmerzes spürte er nur ein rütteln an seiner Schulter. Als er die Augen öffnete sah er in das besorgte Gesicht seines Vaters und des Ältesten. Er war genau vor dem Altar zusamnen gebrochen. Mit sich überschlagender Stimme berichtete er was er gesehen hatte. Die Besorgnis in den Augen seines Vaters vertiefte sich. Bei den anderen Umstehenden sah er vereinzelt Misstrauen. „Beruhige dich mein Sohn es ist alles in Ordnung uns droht keine Gefahr"sagte sein Vater. Plörzlich keuchte jemand erschrocken und rufe wurden in der Menge laut. Mehrere Umstehende zeigten auf den Altar. Das Fleisch das er dort abgelegt hatte war zu Asche zerfallen.
Der Älteste und sein Vater brachten ihn sofort zur Hütte des Ältesten während die Menge ihm Misstrauisch und ängstlich hinterher sah. In der Hütte angekommen musste er noch einmal genau Berichten was er gesehen hatte. Dann zogen sich sein Vater und der Älteste in einen anderen Raum zurück. Er hörte nur noch einige Wortfetzen wie „Grosser Geist“,„Seher“ und „Gefahr“. Dann kam sein Vater zu ihm und sagte " ich muss fort um etwas zu Untersuchen du bleibst hier im Haus.“ Der Älteste richtete ihm ein Lager und er legte sich zur Ruhe.
In der Nacht hörte er ein leises Geräusch am Fenster. Ein weisser Falke sass auf der Fensterbank und tippte mit seinem Schnabel gegen die Scheibe. Neugierig öffnete Tarosh das Fenster. Der Falke sah ihn lange und ruhig an dann stiess er einen kurzen Schrei aus und erhob sich in die Luft. In einiger Entfernung begann er zu Kreisen und schaute immer wieder zu Tarosh zurück. Von einem plötzlichen Gefühl der dringlichkeit getrieben kletterte er aus dem Fenster und folgte dem Vogel. Dieser flog nun immer weiter über die Wiesen und landete Schlussendlich auf einem einzelnen grossen Baum. Als Tarosh am Baum ankam krächzte der Falke einmal traurig. Unter dem Baum lag die Leiche von Taroshs Vater in seinem Rücken steckten drei Pfeile. Weinend brach Tarosh über seinem toten Vater zusammen. Plötzlich hörte er hinter sich einen lauten Knall. Als er sich mit tränenverschleierten Augen umwand stand sein Dorf in Flammen. Er wollte zurück rennen um seinen Freunden zu helfen aber der Falke stürzte sich auf ihn und brachte ihn zu Fall. So war seine erste Vision wirklichkeit geworden und der Falke rettete ihm zum ersten mal das Leben.

Seit her war viel Zeit vergangen. Er hatte seine Heimat seine Vergangenheit und seinen Namen hinter sich gelassen und war ein Wanderer geworden.
Er hatte sich mit verschiedenen Aufgaben seinen Lebensunterhalt verdient und er lernte die Nebenwirkungen seiner Visionen zu kontrollieren und sie zu deuten. Um so Unheil abzuwenden bevor es passierte. Drohte ihm Gefahr oder war er in Sorge erschien der weisse Falke als Unterstützung.

Nun war er als Wache auf diesem Schiff angeheuert worden. Mit dem ersten Blick auf die seltsame Passagierin hatte er erneut eine Vision. Ein blutiger Engel flog über das Meer und die Dunkekheit folgte dem Engel. Yasokuul entschied sich sie im Auge zu behalten.

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Neuerlich krachte ein Blitz über den Himmel. Wellen bäumten sich auf, zerbarsten an der Kante des Schiffes und übergossen das Deck mit Wasser. Rufe wurden laut, irgendwo war Wasser eingedrungen, dann kam geschäftige Hektik auf. Die Mannschaft der Kardiana war meisterlich auf sich abgestimmt, eine Welt in einer größeren Welt, ein geschlossenes System, dem kein Außenstehender je nahe kommen würde. Seufzend schloss Mae ihre Augen, genoss das Gefühl des Auf- und Absenken unter ihr. Es fühlte sich echt an, lebendig. Echter als sie sich in den letzten Jahren gefühlt hatte zumindest. Ihre nassen Strähnen nach hinten werfend, störte sie die klamme Kälte nicht. Trotzig fixierte sie wieder die Weite, als ihr Nacken kribbelte. Ein untrügerisches Zeichen, dass sie jemand im Auge hatte.
Der Schiffsjunge konnte es nicht sein, er war hinab unter Deck gelaufen um den anderen zu helfen. Der Kapitän hatte besseres zu tun, als auf ihren Hintern zu glotzen und der Maat hoch oben im Ausguck betete vermutlich - oder betrank sich. Vielleicht betrank er sich beim Beten, alles wäre möglich …
Eine weitere Welle abpassend, ließ sie sich gespielt zur Seite fallen. Natürlich - der Griff um die Seile war fest und sicher, die ledernen Handschuhe sorgten dafür, dass sie nicht abrutschte, doch so konnte sie einen Blick über die Schulter werfen, nach hinten, und da, im Zucken des nächtlichen Himmels stand er, der Wächter dieses Schiffes. Er hatte sie also im Auge gehabt - doch wieso?
Sorgte er sich um ihre Sicherheit? Oder sorgte er sich intuitiv um die Sicherheit des Schiffes? … Beides wäre nobel, und an Noblesse glaubte Mae nicht mehr, seit sie Ahrn Suhl verlassen hatte.
Er war ein Sukai, seine dunkle Haut verriet die Herkunft deutlich als es bei ihr der Fall war. Doch auch sie trug das Symbol der Ruu sichtbar auf ihrem Umhang. Jede Lüge musste auf einem Konstrukt der Wahrheit errichtet werden. Also zeigte sie, wer sie einst war, und verbarg, zu was sie wurde.
Hochblickend glitten ihre Augen über seine Statur, seine unerschütterliche Ruhe, die fast greifbar war. Ihm machte der Sturm nichts aus, also musste er Schwimmen gelernt haben … oder er hatte unerschütterliche Nerven.
Das Kreischen des Falken riss Mae aus ihrer Betrachtung. Seinem Blick folgend sah sie hoch, fixierte sie den weißen Seelenbruder und wusste doch nicht, ob es sein Seelengefährte war oder nicht. Wenn, wäre er gesegnet. Seelenbänder fand man so selten in dieser Welt, Mae wusste bis heute nicht, ob sie je eines erhalten würde oder ob sie alleine dem Tod entgegenzutreten hatte.
Versunken in diesen Gedanken geschah das, was unverzeihlich war für einen Menschen wie sie: Sie machte einen Fehler. Die Welle erwischte sie von hinten, drückte gegen ihren Rücken und hatte genug Angriffsfläche, um Mae die Beine unter dem Körper wegzufegen. Seitlich stehend bot sie kaum Angriffsfläche, doch der Falke hatte sie abgelenkt und nun lag sie binnen eines Herzschlages nicht nur am Rücken, sondern schlug krachend mit dem Hinterkopf auf den Holzboden und spürte, wie der schaumige Wasserberg sie mit sich fortreißen wollte. Sie brauchte einen Halt! Fahrig mit Wasser in der Nase und dem Mund suchte sie Halt während sie auf die andere Seite des Schiffes rutschte und packte in letzter Sekunde die Taue, die zum Hochklettern in den Mast gedacht waren. Der Ruck, der durch ihren Körper fuhr, kugelte ihr beinahe die rechte Schulter aus, doch dann hing sie, einem nassen Käfer gleich, fest. Würgend spuckte sie das Salzwasser aus der Luftröhre, ihre Füße verhakten sich automatisch in den Netzlöchern, während sie sich und ihren Körper anspannte, um die nächste Welle über sich ergehen zu lassen. Adrenalin in den Adern, ein Herz, das vor Aufregung fast überquoll - losgelöst musste Mae auflachen. Da war sie dem Tod mal wieder von der Schippe gesprungen! Oh, wie bitter sollte sie ihre Vorfreude bereuen!
Seitlich neigte sich das Schiff, das Meer.- die rauen Südlande - näherten sich, für einige Momente ergoss sich mehr als nur ein Schwall über Mae und auf Deck, dann wurde das Schiff wieder hochgerissen und sprang empört einen Wellenberg hinauf. Sie hätte doch unter Deck gehen sollen! Doch jetzt war es für Klugheiten zu spät. Behutsam bewegte sie den rechten Arm, der Schmerz würde - wenn der Schreck verging - sicher unangenehm sein, doch jetzt musste sie fort von diesem Netz. Entweder hoch in den Mast oder runter an Bord des Schiffes, über die Reeling entlang zurück zu der Stelle, wo sie Schutz vor den Wellen hatte. Beides keine schönen Optionen, beide mit Risiken verknüpft. Hoch oder hinunter, hoch oder hinunter.
Sie entschied sich für hinunter.
Zwischen zwei Wellen schwang sie sich auf die Innenseite des Netzes und sank zusammen, um sich so klein wie möglich zu machen. Das Wasser ergoss sich strömend, raubte ihr für einen Moment den Atem, während eine zweite Welle von gegenüber direkt im Anschlag auf sie einschlug. Sie musste sich bewegen!
Beweg dich, Mae! Beweg dich …
Wenn es nur nicht so verdammt schmerzhaft wäre, Halt mit der rechten Hand zu finden.

#schön, dass du dabei bist :smiley: Solange Mae Handschuhe anhat und du auch, kann er keine Visionen haben die sie betreffen. Das geht nur über direkten Hautkontakt (also Visionen aus ihrem Leben, Einblicke in ihre Vergangenheit etc.) - allgemeine Visionen kann er allerdings immer haben, aber jeder Blick schwächt ihn, je länger der Blick, desto stärker die Nachwehen :slight_smile: Und ich hoffe, man kann es sich halbwegs vorstellen - ich muss erst wieder im Schreibflow kommen :smiley:

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„Und zieht! … Und zieht! … Und zieht!“ Die gemeinsamen Rufe hallten über das Deck, während sich die Matrosen der Kardiana in die Taue hängten, um die Sturmfock zu hissen. Sie alle hatten sich schon an den grossen Mann zwischen ihnen gewöhnt, der zwar eigentlich zu den zahlenden Fahrgästen gehörte, aber dennoch keine Hemmungen hatte, sich an der Arbeit an Deck zu beteiligen, ebenso, wie er sich regelmässig schwer an den Saufgelagen unter Deck beteiligte.
An diesen Abenden war er unterhaltsam und hatte immer eine zotige Geschichte oder ein schmissiges Lied auf Lager. An Deck fügte er sich meist kommentarlos den Anweisungen von Maat und Kapitän. Aber manchmal war da etwas in seinen Augen und in seiner Stimme, etwas nahezu nicht zu Beschreibendes. Ein Hauch von Befehlsgewalt, ein Wispern von Stahl, Feuer, Blut- und Tod.

In direktem Widerspruch dazu stand die Tatsache, dass er meist nur leichte Kleidung und bis auf einen kleinen Dolch keine Waffe trug. Auch, dass er fast jeden Morgen schon früh auf dem Bugspriet sass und gedankenverloren in die Wellen blickte, trug zu den sichtbaren Widersprüchen bei.

Mit einem letzten Ruck blähte sich das Segel im Sturm und die Matrosen verknoteten das Tau mit raschen, sicheren Griffen. Dann verteilten sie sich wieder in alle Richtungen.
Plötzlich hörte man den Kapitän von seinem Platz hinter dem Ruder laut rufen: „Tene!“ Der Mann drehte seinen Kopf und sah nach hinten. Der Kapitän zeigte auf einen Ort unter den Backbordwanten. Tenerezu brauchte einen Moment bis er sah, worauf der Skipper hinauswollte. Er fluchte laut. Die Kleine, die mit ihnen reiste, war wohl doch nicht so seefest, wie sie vorgegeben hatte. Nun kauerte sie unter dem Netz und versuchte, den Brechern auszuweichen, die stetig über das Deck rollten.

Das wilden Schlingern des Decks mühsam ausgleichend, griff er nach einem gerollten Tau und befestigte es am Mast neben ihm. Dann stapfte er nach hinten. Als er ankam, hielt er sich an den Wanten fest, knüpfte eine Schlinge und warf diese dann ohne viel Federlesens der jungen Frau über die Schultern. Mit einem raschen Ruck schob er die Schlinge nach unten und hörte ein kurzes scharfes Zischen, als das Seil an ihrer rechten Hand entlangschrammte. Als die Schlinge unter den Armen war, zog er sie zu, und gab der jungen Frau das Tau in die Hand. „Nicht loslassen!“ brüllte er ihr zu, und fand sogar einen Moment, sie zu mustern,ehe er sich wieder umdrehte und zwei Matrosen dabei unterstützte, ein losgerissenes Tau neu zu befestigen.


#Ich muss zugeben, ich habe die Bücher (noch) nicht gelesen, und dementsprechend auch wenig Ahnung vom Hintergrund von Requia :sweat_smile: Ich versuche trotzdem, hier mitzuhalten. :slight_smile: Was Tene als Charakter betrifft, er hat Krieg erlebt und Krieg geführt und kennt ihn „in all seiner Pracht und all seinem Schrecken“, wie das in SC2 so schön gesagt wird. Wenn das für euch o.k. ist, werde ich auch so (be)schreiben- mit allem drum und dran, nichts beschönigen, aber auch nichts dämonisieren.

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Er beobachtete die Frau am Bug des Schiffes. Irgendetwas an ihr war seltsam aber er konnte es nicht in Worte fassen. Er dachte über seine Vision nach. War sie der Engel oder war sie die Dunkelheit? Wenn sie der Engel war woher kam das Blut? Würde sie verletzt werden oder war sie es bereits? War es vielleicht garnicht ihr Blut? Hatte sie getötet oder wollte es? Wer oder was war die Dunkelheit? Wurde sie von ihr verfolgt oder brachte sie die Dunkelheit?

Während er noch darüber nach dachte geriet die Frau ins Straucheln. Sie konnte ihren Sturz gerade noch mit einem Griff zum Seil abfangen. Er spürte wie ihr Blick ihn streifte. Plötzlich hörte er über sich den warnenden Ruf des Falken. Instinktiv hielt er sich an der Reling fest und stabilisierte seinen Stand. Eine riesige Welle überspülte das Deck.
Die Frau offenbar vom Ruf des Falken abgelenkt wurde von der Welle erfasst stürzte schwer aufs Deck und wurde von den Wassermassen mitgerissen. Im letzten Moment bekam sie ein Teil des Masttauwerks zu fassen und klammert sich daran fest. Das Schiff schwankte bedenklich und die Frau hatte sichtbar Probleme ihrer Lage ohne Hilfe zu entkommen.
Yasokuul entschied sich die warnende Stimme in seinem Kopf vorerst zu ignorieren und ihr zu helfen.
Aber der Sturm schien es sich zur Aufgabe gemacht zu haben das zu verhindern. Wie wilde Tiere warfen sich Wasser und Wind gegen das Schiff. Yasokuul konnte sich nur unter äußerster Anstrengung auf den Beinen halten. Sich vorsichtig vortastend versuchte er dem Wind und dem Wasser so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Meter für Meter kämpfte er sich auf die Frau zu. Als er sie fast erreicht hatte er schien „Der Große“

„Der Große“ war ein Fahrgast an Bord aber er packte mit an wo er konnte und verstand sich gut mit der Mannschaft. Yasokuul hatte oft dabei gestanden wenn er mit der Mannschaft trank und seine Geschichten erzählte. An Hand seiner Statur und seiner Bewegungen war leicht zu erkennen das er mehr war als ein einfacher Mann. Aber besonders seine spürbare Autorität verriet das er normalerweise nicht der Befehlsempfänger war.

Sich dem Sturm mühsam entgegen stemmend knüpfte „der Große“ eine Schlinge befestigte das Ende des Taus am Mast und warf die Schlinge über die Frau und rief ihr etwas zu. Dann stapfte er davon immer darauf bedacht keinen falschen Schritt zu tun.

Yasokuul nährte sich der Frau die verärgert " dem Großen" nach sah und reichte ihr die Hand…

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Das konnte nicht wahr sein. Fassungslos starrte Mae Tenerzu nach, jenem Mann, welcher sich zuerst trotzig den Fluten, den Sturmböen und dem Schaukeln entgegenwarf, um ihr am Ende … ja, was eigentlich? Ein Seil um den Oberkörper zu schnüren, jenes zu verzurren und dann wieder davon zu stapfen? War das möglich? Wenn er jung gewesen wäre, sie hätte es als hirnlos oder gestresst bezeichnet, doch dieser Mann hatte den Ruf nicht nur trinkfest sondern auch seefest zu sein. Er besaß den Ruf, viele für sich zu gewinnen, und den anderen genug Respekt einzuflößen, damit sie sich fern hielten.
Und so jemand warf ihr dann einfach eine Schlinge um den Oberkörper und ging wieder? Mae wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte, doch da krachte bereits ein neuer Brecher über sie herein und erinnerte sie an den Ort, an welchem sie sich befand. Vielleicht sollte sie sich später wundern. Später, wenn sie wieder trocken war und das Schiff in ruhigeren Gewässern schlitterte.
Ein bick hoch zum Himmel, der Falke war verschwunden (zumindest aus ihrer Sicht), die tiefschwarzen Wolken dafür noch schwärzer und die bedrohlich anbahnende Dunkelheit der Nacht begann ihre Finger nach dem Schiff zu recken. Wie würde der Kapitän diese Nussschale steuern, wenn er nichts mehr sah? Suchend glitten ihre Augen über Deck, fixierten ein paar leere Holzfässer. Wenn es zu Ende ging würde sie sich einfach an einem dieser Fässer festklammen und hoffen, dass es funktionierte. Ertrinken stand für heute nicht am Plan!
Wieder krachte der Donner, die Windböen peitschten ihr die Haare ins Gesicht. Es war das perfekte Wetter um zu brüllen, denn niemand würde es hören. Doch da streckte sich ihr auf einmal eine Hand entgegen. Verwirrt sah sie hoch und erstarrte für einen Moment. Der Fremde, Besitzer des Falken, stand vor ihr. Er hatte sich den Weg zu ihr gekämpft, seine angespannte Haltung offenbarte, dass es auch für ihn kein leichter Weg gewesen war, und nun bot er ihr seine Hilfe an.
Eine Hilfe, die sie nur zu gerne angenommen hätte, wenn sie nicht aus dem Augenwinkel den nächsten BRecher bemerkt hätte. Er kam von hinten, Yasokul hatte keine Chance ihn zu erahnen und wenn er den Mann eiskalt erwischte, würde er vermutlich wie sie über das Deck schlittern und zum Zweigesichtigen betend nach etwas suchen, woran er sich halten konnte. Außer …
Ihr Körper reagierte schneller als ihr Verstand. Mit dem unteren Bein fegte sie ihm die Füße weg, ließ ihr Bein jedoch liegen, um das obere über seinen liegenden Körper zu schließen. Die zehen miteinander verhakend hatte sie in dieser Beinschere schon so manchem Freund das Leben gerettet, wenn sie mal wieder sinnlos über Angründen herumgehangen waren … Aber heute war es anders. „ACHTUNG!“
Die Worte brüllend, war es vermutlich das erste Mal, dass er ihre Stimme vernahm. Bisher hatte sie kaum geredet und wenn, dann eher leise und einem Mädchen ähnelnd. Jetzt, in dieser Sekunde klang sie wie eine Kriegerin. Ihre gesunde Hand umschloss ein Stück Holz, dann brach die Welle auch schon über sie herein und riss und zerrte an ihnen, als wolle sie ein Opfer erhalten.
„Heute nicht.“ Die Worte murmelnd, spuckte Mae Slazwasser aus und blinzelte mit brennenden Augen hinaus aufs offene Meer. Gut. Der dämliche Strick hatte vielleicht doch etwas geholfen, aber das würde sie Tenerzu nie sagen. Nie. Nein. Aber sie würde ihn zur Schnecke machen, weil sie sich mindestens einen Rippenbogen geprellt hatte, als der Ruck die Schlinge festzurrte. Eine Schlinge, die nicht richtig saß.
Sie mussten fort von hier. Jetzt. Sofort. Bevor der nächste Brecher sie erwischte! Denn einzweites Mal würde sie kaum die Kraft haben, sich und Yasokul zu halten. Die Schlinge über den Kopf ziehend, kam Mae auf die Knie, um sich im Schutz der Seiten etwas weiter richtung Heck voranzuarbeiten. Natürlich, Bugseits wäre es auch spannend gewesen. Auf der Nase des Schiffes zu reiten wäre bestimmt … famos!
Nicht jetzt, Mae. Konzentriere dich!
Ihr Kopf schmerzte. Ihre Schulter schmerzte. Ihre Rippen schmerzten. Und vom Krabbeln taten ihr die Knie weh.
Fast hatte sie das Gefühl, wieder zu Hause zu sein …

#Rs Fehler tun mir leid, ich muss ohne Kontaktlinsen/Brille schreiben und bin zu faul das alles nochmal zu korrigieren :stuck_out_tongue:

Tenerezu hatte gerade versucht, eine aufgerissene Decksluke zu schliessen, als die nächste Welle das Deck überrollte. Er hielt sich mit aller Kraft fest und lehnte sich mit seinem vollen Gewicht gegen die Wucht des Wassers. Dabei sah er, dass es zwar die beiden anderen Fahrgäste von den Beinen fegte, aber irgendwie hielt die Frau sowohl sich als auch den anderen fest. Tene war nun doch beeindruckt. Es schien mehr in ihr zu stecken, als es den Anschein gehabt hatte.

Einer der Matrosen hatte nicht so viel Glück. Die Welle packte ihn, als er gerade versuchte, sich an den Bug vorzuarbeiten. Schreiend wurde er über die Reling getragen. Tene schloss kurz die Augen. Sie würden seine gute Singstimme vermissen.

Er wollte seine Bemühungen eben fortsetzen, da übertönte ein Geräusch das Heulen des Sturms. Er kannte es, und ihm wurde eiskalt. Langsam drehte er sich um. Mit einem markerschütternden Knirschen bog sich der vordere Mast immer tiefer und tiefer. Holz splitterte und einer der Männer ging zu Boden. Von dem furchtbaren Anblick einen Moment abgelenkt, riss ihn das nächste Schlingern von den Füssen. Er prallte hart auf das Deck und schlug sich den Kopf an. Kurze Zeit sah er nur Schwarz. Ungefragt tauchte das Gesicht einer anderen jungen Frau vor seinem inneren Auge auf, aus einem anderen Leben… grimmig schüttelte Tene den Kopf. Dafür war jetzt keine Zeit

Als sich seine Sicht endlich klärte, sah er, dass die Besatzung bereits Handäxte aus ihren Halterungen gerissen hatte, um die Taue des brechenden Mastes zu kappen, ehe dieser das ganze Schiff in den Untergang zog.

In diesem Moment riss eines der Seile. Die nun freie Talje schwang quer über das Deck und traf mit voller Wucht einen weiteren der Matrosen. Das Gesicht zu einer blutige Ruine zertrümmert, fiel er ohne einen Laut von Bord. Diesmal fluchte Tene. Wenn sie weiter in diesem Tempo Männer verloren, konnten sie sich gleich selber versenken.

Unterdessen war der Mast endgültig gebrochen und lag quer zum Deck halb im Wasser. Tene wischte Blut aus seinem Gesicht, griff selbst nach einer Axt und hackte wie ein Wahnsinniger auf das nächste Tau ein. Die Kardiana krängte bereits bedrohlich.
Es würde nicht reichen. Es würde, beim Zweigesichtigen, verdammt nochmal, nicht reichen!

Es sei denn… das Mädchen und der Mann bei ihr sahen reichlich ramponiert aus. Tene betete, dass sie trotzdem noch zu gebrauchen waren. Er schwenkte seine Axt über seinem Kopf und brüllte ihnen so laut er konnte zu: „Hierher! Die Taue! Die Taue! Kappt die Taue!“ Hoffentlich sahen sie ihn. Und hoffentlich verstanden sie, was er von ihnen wollte…

#Edit: Kennt ihr das, einen Text nie stehen lassen zu können und immer daran rumzukritteln? zwingt sich, das Handy wegzulegen

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Gerade noch hatte Yasokuul der Frau die Hand gereicht und plötzlich schlug er aufs Deck. Bevor er noch ganz verstand was passierte hörte er die Frau eine Warnung rufen und im nächsten Augenblick wurden sie von einer gigantischen Welle überspült. Yasokuul spürte das die Frau ihn mit ihren Beinen umklammert hielt um ihn vor dem Druck der Welle zu schützen. Als die Welle abgebbt war kroch die Frau los. Yasokuul versuchte sie an der Schulter festzuhalten. Dabei streifte sein entblöster Unterarm für den Bruchteil einer Sekunde ihre Wange.

Er spürte eine gewaltige Vision heran nahen und wusste würde er sie zulassen wäre das in der momentanen Lage sein Ende. Er nutzte eine geheime Technik die er auf seine Reisen gelernt hatte und unterbrach die Vision bevor sie richtig Gestalt annahm. Nur ein Geruch von Blut hatte er in der Nase als er die Augen aufschlug.

Der Kampf gegen die Vision hatte nur wenige Momente gedauert aber trotzdem hatte sich die Situation auf dem Schiff dramatisch verändert. Der Mast war gebrochen und schien das Schiff in die Tiefe zu ziehen. Seine Retterin war bereits kriechend auf dem Weg Richtung Heck.

Am zerbrochenen Mast stand der Große und schwenkte eine Axt über seinem Kopf und brüllte etwas aber der Sturm zerriss die Worte zu unkenntlichen Fetzen:" her! aue! Di! appt Tau!

Auch wenn Yasokuul nicht verstand was der Große brüllte erkannte er das es etwas Wichtiges sein musste. Also entschied er sich die Frau auf den Großen aufmerksam zu machen um sich dann gemeinsam mit ihr durch den Sturm auf den Weg zum Großen zu machen.

Er brüllte gegen den Sturm an um sie auf sich aufmerksam zu machen und deutete auf den Großen während er auf allen vieren in seine Richtung kroch.

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Der Zweigesichtige hatte sich entschieden. Maes Verstand arbeitete in Höchstgeschwindigkeit, ihre Welt verblasste zu einem Ort voller Trägheit. Sie sah die ersten Risse im Mast, doch ein Warnruf wäre umsonst gewesen. Das Tau, es zuckte und zischte, peitschend schwang es sich durch die Luft, zerfetzte dem Einen das Gesicht, bevor es sich an dem Brückenaufgang verhedderte. Kurz ein Moment der Ruhe, dann der schrille Schmerz des sterbenden Schiffes. Der Mast legte sich langsam, fast gemütlich zu Boden, Holz brach, das Treppengeländer wurde von dem Tau hinabgerissen, erschlug einen Matrosen, welcher eben ein Tau kappen wollte. Yasokul schrie, Tenerezu schrie, doch Mae wollte sie nicht hören.
Nein, dieser Kampf war verloren, das Schiff verloren. Nun hieß es, rette sich wer kann … außer … Ihre Augen glitten an dem Mast entlang. Die Segel lagen im Wasser, die Strömung würde den umgefallenen Mast vom Schiff zerren und vielleicht hätten sie dann Glück. Vielleicht würde diese Nussschale überleben, wenn der Kapitän nur noch das Ruder stabilisierte und die Wellentürme erkroch. Vielleicht …
Seufzend sah Mae zum Himmel hoch, dann, mit einem Ruck, fegte sie den lästigen Rock von ihren Beinen. Sie zerriss die Seitennaht, warf das fetznasse Stück Stoff über Bord und streckte das linke Bein, einer Spinne gleich. Ihre lederne Hose war maßgeschneidert und hing an ihr wie eine zweite Haut. Geschnürte Lederne Stiefel, darin im Schaft verborgene Dolche, Gurtschnallen am Oberschenkel. Wenn Mae wollte, konnte sie bis zu den Zähnen bewaffnet sein, nur offenbarte sie das normaler Weise eher ungerne.
Ihre rechte Schulter würde ein Problemfaktor sein, und der schmerzende Kopf sorgte für Übelkeit und Schwindel. Nichts, das sie nicht schon erlebt hatte, aber doch genug, um sie minimal zu behindern. Sie brauchte Zahir und Zika. Ohne ihre zwei Klingen würde sie die Taue nicht kappen können. Außerdem konnte sie die Schwerter nicht untergehen lassen! Aber diese Klingen würden einem geschulten Auge wie dem Tenerezus offenbaren, dass sie weit mehr als eine normale Ruu war. Er würde Vermutungen anstellen, eventuell erahnen, dass sie vom Namenlosen Volk war. Ein Schattenkind. Eine Assassine. Und dann würde er sterben müssen und das wollte sie eigentlich verhindern.
Blinzend riss sie sich ins Jetzt zurück. Ihre Überlegungen hatten drei Atemzüge angedauert, dann änderte sie die Richtung. Jetzt, ohne Rock, kam sie leichter voran, und nachdem sie beschlossen hatte einen teil der Deckung aufzugeben, wirkte sie auch wesentlich eleganter im Angesicht des Sturmes als zuvor. Schnell huschte sie nach vorne, verschwand einige Zeit außerhalb der Sicht aller, um am Ende wieder zurückzukommen. Doch diesmal bewaffnet. Zahir und Zika steckten über Kreuz in der Halterung auf ihrem Rücken. An ihrem Gürtel hinten Wurfsterne, und ihre nassen Haare hatte sie zu einem strammen Zopf gebändigt. Nun konnte man ihre Gesichtszüge klar sehen, scharf geschnitten, dunkle Augen, schmale Lippen, blasse Haut. Eine Narbe an der rechten Wangenseite, winzige Ohrstecker aus Blutstein.
Zika in die linke nehmend, würde sie mit der rechten nicht genug Kraft aufbringen können, doch während die Männer die eine Seite des Mastes kappten, schwang Mae auf der anderen Seite ihre Klinge mit der ihr angeborenen Präzision. Die Taue zischten, surrten hinfort, eine Welle erschlug das Schiff beinahe, doch diesmal nutzte Mae die Wassermassen, ließ sich auf die andere Seite des Mastes treiben und kam rutschend unter dem Kapitän zum Halt. Hier war das schiff geschützter, die Sturm leiser, der Eingang hinab in den Bauch der Nussschale direkt hinter ihr. Schreie, Panik, Unsicherheit. Und ein stoischer Kapitän, der über den Sturm hinweg Befehle brüllte.
Der Mast rutschte knirschend von Deck, trieb fort von ihrem Schiff und ließ eine blutig wirkende Schramme zurück. Die Leere schmerzte den Kapitän offenkundig, doch das änderte nichts an seiner Aufgabe: Entweder würde er das Schiff retten oder mit ihr untergehen. Es gab keine halben Dinge. Die Klinge wieder zurücksteckend sah Mae über die Planken hinfort in die dunkle Nacht, dann trat sie zurück und verschwamm mit dem Schatten des Einganges. Vermutlich ging sie hinunter in die Tiefen des Schiffes…

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Tenerezu schlug die Axt mit einem kräftigen Hieb in die Reling, hielt sich daran fest und hob eine Augenbraue. Das zerhackte Tau rutschte mit dem Mast vom Schiff, aber er beachtete es kaum.

Tene war fasziniert und bis ins Innerste berührt. Es war wirklich, wirklich lange her, dass er das letzte Mal eine derartige Vollendung der Kampfkunst gesehen hatte. Rasche, geschmeidige Bewegungen, zielsichere Hiebe und, deutlicher als alles andere, der todesverachtende Tanz eines Menschen, dem der Sensenmann auf die eine oder andere Weise mehr alter Freund den Fremder war. In dieser Frau steckte wahrhaft mehr als er gedacht hatte. Auf dem Schlachtfeld wäre es… interessant… gewesen, ihr zu begegnen, hier mochte es nur gefährlich sein. Tene war klar, dass sie ihm im direkten Zweikampf vermutlich überlegen war und wenn es ihr gelang, ihn zu überraschen, wohl erst recht. Der Schnellste und Geschickteste war er nie gewesen, seine Begabungen lagen woanders. Unbewusst tasteten seine Finger nach dem Griff des Dolches an seinem Gürtel. Der Deckel am oberen Ende sass immer noch felsenfest.
Er schob den Dolch nach hinten. Auch er selbst hatte seine Geheimnisse. Er dankte allen Göttern, die es geben mochte, dass er nicht gezwungen gewesen war, sie zu offenbaren. Er war es zutiefst leid, sich immer und immer wieder im Dunkel der Nacht davonmachen zu müssen, nur um am Leben zu bleiben. Gerüchten zufolge interessierten sich die Taresh weder für Herkunft noch für Vergangenheit der Leute, die zu ihnen kamen. Ein dünnes Lächeln stahl sich auf Tenes Lippen. Vielleicht endlich wahrhaft ein Ort der Ruhe.
Sein Lächeln verbreiterte sich, als er merkte, dass der Regen weniger stark prasselte, der Wind weniger stark heulte und das Schiff weniger schlingerte. Der Sturm schien endlich nachzulassen.

Tene wagte es, sich in Ruhe umzusehen. Er selbst hatte sich eine Platzwunde am Kopf geholt, aber das machte wenig, er hatte schon weit Schlimmeres erlebt. Die Kleine war irgendwo verschwunden. Den Sukai sah er gerade nicht, aber wenn es ihn über Bord gespült hätte, hätten sie das wohl mitbekommen. Der Matrose, der von den Splittern des Mastes getroffen worden war, hatte einen blutigen Arm, aber er war auf den Beinen. Der Rest der Mannschaft schien in Ordnung zu sein.
Die Kardiana selbst hatte schwer gelitten. Anstelle des Fockmastes klaffte an seiner Stelle ein schmerzhaftes Loch. Die Reling war an verschiedenen Orten geborsten. Teile der Segel waren eingerissen. Eine der beiden Treppen nach Achtern war beinahe zerstört und irgendetwas hatte ein ausgefranstes Loch in den Bug gerissen. Glücklicherweise war es hoch genug über der Wasserlinie. Beim Zweigesichtigen, er kannte Schiffe, die aus dem Kern einer Schlacht mit der schwarzen Hand intakter zurückgekehrt waren.

Trotzdem…sie waren noch am Leben- geradeso. Tene strich mit der freien Hand über die Reling. „Tapferes Mädchen.“ murmelte er dem Schiff zu. „Und nun bring uns endgültig hier raus.“

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Sie reagierte nicht auf seine Rufe. Wahrscheinlich konnte sie ihn über den Sturm nicht hören. Also kroch er alleine weiter durch den Sturm.

Er hatte etwa die Hälfte des Weges zurück gelegt als der Ruf des Falken seine Aufmerksamkeit nach Backbord lenkte. Er konnte nicht sehen was dort vor sich ging aber er wusste das es wichtig war. Er blickte sich schnell um. Der Große und die Mannschaft zerhackten die Taue die den umgestürzten Mast mit dem Schiff verbanden. Das Mädchen schien verschwunden zu sein.

So schnell es der Sturm zuließ kroch er in Richtung Backbord um zu sehen was der Falke gefunden hatte.
Der Falke saß auf der Reling und deutete mit dem Schnabel nach unten. In der Bordwand klaffte eine großes Loch. Der Sturm drückte mit jeder Welle Wasser in das Schiff. Yasokuul war klar das er das Loch sofort verschließen musste wenn nicht alle hier ihr Ende finden sollten.

Er griff in einen kleinen Beutel den er am Gürtel trug. Dieser war gefüllt mit Erde aus seiner verlorenen Heimat. Die andere Hand legte er auf den Kopf des Falken. Dann konzentrierte er sich auf die Energie der Erde in seiner Hand. Er spürte die Ruhe der Äonen. Die Macht des Lebens und die Stärke der Natur. Mit Hilfe des Falken fokussierte er die Energien auf die Bretter die das Loch umgaben. Er stimulierte die kleinen Funken des Lebens die im Holz verblieben waren und regte sie zum Wachsen an.
Das Holz begann neue Triebe und Knospen zu bilden und wuchs über dem Loch zu einem festen Geflecht zusammen durch welches das Wasser nicht mehr eindringen konnte.
Erschöpft ging er auf die Knie. Die Gefahr war fürs erste gebannt.
Der Sturm schien langsam nachzulassen. Langsam erhob sich Yasokuul.

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Im Schatten zu leben war unmöglich, doch man konnte Stunden, gar Tage darin verbringen. Zumindest dann, wenn man ein Kind des Schattes war, eine Namenlose, eine Assassine, wie sie es war. Einst war. Noch immer … nicht mehr sein wollte.
Es war verwirrend. Müde lehnte sich Mae an die Holzwand hinter sich, während Schemenhafte Gesellen hoch und hinunter liefen. Niemand sah sie, niemand spürte sie, für einen Moment hatte sie absolute Einsamkeit in Kombination mit absoluter Ruhe. Ein Gefühl, dass ihre Seele flutete, ihren Geist in die Knie zwang und ihren Herzschlag verlangsamte. Denn nur in der Ruhe fand sie ihre Kraft. Nur dort verbarg sich ihre wahre Macht.
Da! Es kribbelte in ihrem Nacken, es kitzelte sie in den Fingerspitzen. Jemand wandte Magie an! Sie hatten einen … Erdmagier an Bord? Einen Kokua? Konnte das sein? Oder war jemand ein Halbling? Ein Mischling? Sprössling eines Kokua und eines anderen Stammes? Irritiert sah sie hoch. Alleine diese Bewegung reichte aus, dass ihr Nacken, ihre Schultern, ihr Rücken und ihre Hüfte schmerzhaft protestierten. Doch das musste sie erfahren! Sie musste wissen, wer es war!
Mit einem Schritt trat sie in den nächsten Schatten, glitt ihr Körper lautlos um die Ecke, verblieb sie in der Dunkelheit unter der Treppe, welche hoch zum Kapitän führte, stehen. Da. Der Fremde mit dem Falken. Yasokul. Er musste es sein, denn er strahlte den Nachhall dieser Magie aus. An ihm klebten diese eklig grünen Fäden die naturverbundene Wesen als Energie des Lebens bezeichneten. Die Kokua - fast war sie Mae so zu wider wie es die Ashai waren, doch im Ranking waren die Ashai vermutlich noch widerlicher. Leben geben statt nehmen war wider die Natur. Wenn jemand tödlich verwundet war, war es sein Schicksal von Evoras, dem Schattenwolf, geholt zu werden! Man ging zu seinen Ahnen, dankte dem Zweigesichtigen und dann war man vergangen. Man lebte nicht länger, nur weil Magie die Wunden verschloss … Das war ohne Ehre.
Mae spürte den alten Hass in sich brodeln. Das kleine Mädchen, dem das Sterben der Mutter zu nahe ging, gelang es immer wieder einmal flüchtig hallo zu sagen. Dann wurde es zurückgedrängt und verschwand wieder unter der Schale der jungen Kriegerin. Neuerlich juckte es Mae im Nacken. Es war mehr eine Ahnung, doch diesmal besorgniserregend. Wo Yasokul das eine Loch schloss, entstand an anderer Stelle ein anderes? Wie konnte das sein? Wie, wenn nicht …
Neuerlich verschwamm die Welt, und neben Tenerezu aus dem Schatten tretend hatte sie es an seinem Blick erkannt: Er wusste, was sie war, und sie hatten kaum Zeit: „Wir haben einen Attentäter an Bord. Er muss Magiebegabt sein und will die Kardiana offenbar versenken.“
Ernst sah sie Tenerzu an, dann glitt ihr Blick zu Yasokul. Hatte er das neue Loch gefühlt?

#Mae gibt ein tendentiell bedenkliches Bild ab. Die rechte Schläfe hat sie sich aufgeschlagen, am Hinterkopf ist sicher eine Wunde und an der Armhaltung von ihrem rechten Arm erkennt man die Schulterschmerzen. Die Schulter ist nicht ausgekugelt, aber sicher geprellt / gezerrt. Für geschulte Augen/Ohren mag man auch anhand der flacheren Atmung erahanen, dass sie sich die Rippen angeschlagen hat, eventuell angebrochen … ^^

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Der Sturm hatte sich halbwegs beruhigt. Endlich. Tene bobachtete den Sukai bei seinen Bemühungen und lächelte. Spielchen innerhalb von Spielchen… interessante Passagiere in der Tat.
In diesem Moment trat jemand neben ihm aus dem Schatten. Unwillkürlich zuckte seine Hand zum Dolch, während sich seine Muskeln spannten. Als er sah, wer es war, lehnte er sich wieder etwas zurück. Er hatte sie nicht einmal kommen gehört! Ihm war klar gewesen, dass sie fähig sein musste, aber gleich eine Schattenwanderin? Er lächelte schief. Seine Einschätzung war wohl etwas untertrieben gewesen. Er hoffte, dass ihr nicht bewusst war, wie sehr sie ihn überrascht hatte. Wobei, wenn sie war, was er nun dachte, wohl schon. Egal. Sie sah ihn an und meinte: "„Wir haben einen Attentäter an Bord. Er muss magiebegabt sein und will die Kardiana offenbar versenken.“

Tene musterte sie kurz. Sie sah lädiert aus… er würde den Schiffsanitäter bitten, sich ihre Wunden anzusehen. Dann nickte er ihr ernst zu. „Ihr wisst, wovon ihr redet, also spare ich mir die Frage, woher ihr das wissen wollt. Ein interessanter Zeitpunkt dafür… niemand wäre erstaunt, wenn wir… ‚im Sturm untergehen.‘ Er selbst würde es aber auch nicht überleben. Das spricht für eine fanatische Geisteshaltung, oder aber, dass Unauffälligkeit wichtiger als alles andere ist.“

Tene schüttelte sich kurz und ging dann ruhig dem Schiff entlang. Aber seine Gedanken rasten. Galt das alles ihm? Hatten sie ihn schon wieder gefunden? Er hatte versucht, sämtliche Spuren zu verwischen, aber er hatte gewusst, dass es schwierig werden würde… andererseits war auch eine der Besten hinter ihm her…

Er arbeitete sich von Matrose zu Matrose vor. Mit jedem wechselte er ein paar Worte und fragte wie es ihm gehe. Einem half er, eine Schramme an der Hand zu verbinden. Dabei sah er sich so unauffällig wie möglich um und erteilte während der Gespräche jedem in demselben ruhigen Tonfall Befehle, die die Besatzung an den neuralgischen Punkten des Schiffes positionierten. Er war froh, dass keiner der Matrosen widersprach. Wieder lächelte er schief. Gelernt war gelernt, und Erfahrung war Erfahrung.

Schliesslich erreichte er den Kapitän. der immer noch das Steuer hielt. Tene stellte sich neben ihn und beobachtete den Horizont. Dann sagte er: „Skipper? Habt ihr während der letzten Zeit neue Matrosen angeheuert? Männer die ihr nicht kennt?“ Der Kapitän sah kurz überrascht zu ihm und widmete sich dann wieder dem Kurs. „Zwei Mann, einer im selben Hafen wie Euch, einen eine Station früher. Warum fragt ihr?“ Tene nickte grimmig. „Jemand versucht das Schiff endgültig zu versenken. Ich weiss nicht wer, oder warum, aber die junge Frau, die mit uns reist, hat mir das gesagt. Ich habe keinen Grund, an ihrer Einschätzung zu zweifeln.“ Der Kapitän antwortete: „Deswegen habt ihr die Männer also verteilt. In Ordnung. Findet ihn, wenn ihr könnt. Ich gebe euch meinen Maat mit, ich kenne ihn mein halbes Leben, wenn einer loyal ist, dann er.“ Er hob seine Stimme. „Reik!“ Der Maat steckte seinen Kopf aus dem Krähennest. „Skipper?“ „Komm runter! Nahim, übernimm seinen Platz! Reik, du und Tene macht einen Rundgang! Ich will sämtliche Schäden des Schiffs wissen, bis auf den letzten Kratzer in den Planken. Abmarsch!“

Tene nickte ihm zu, und machte sich daran, das Schiff Nagel für Nagel auseinanderzunehmen.

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Wie aus dem nichts erschien die geheimnissvolle Frau neben dem Großen. Kinder der Schatten hatte sein alter Meister sie einst genannt. Ein Geheimnis war damit gelüftet. Aber es blieb die Frage drohte ihr Gefahr oder war sie die Gefahr.

Durch die sich überschlagenden Ereignisse hatte er bisher keine Zeit gefunden seine Vision zu analysieren. Aber auch jetzt war ihm keine Zeit vergönnt. Im selben Moment in dem der Falke warnend krächzte spürte er eine Ansammlung destruktiver Energie im Heck des Schiffes. Das Loch im Rumpf war also nicht durch den Sturm entstanden. Jemand hatte es sich offenbar zur Aufgabe gemacht das Schiff zu versenken.

Er blickte in Richtung der beiden Passagiere aber der Große war bereits verschwunden und die Frau blickte konzentriert vor sich hin. Es stand zumindestend fest das sie nicht die Quelle der finsteren Energie war. Er entschied sich aus drei Gründen der Gefahr auf den Grund zugehen. Der erste war die Ehre. Er hatte seinem alten Meister geschworen seine Fähigkeiten zum Wohle der Unschuldigen einzusetzen. Der zweite war Pflichterfüllung. Als Wächter dieses Schiffes würde er es nicht kampflos zulassen das jemand dem Schiff der Besatzung oder den Passagieren schaden zufügt. Der dritte war der einfachste. Er war nicht bereit hier zu sterben.

Er machte sich also mit dem Falken auf den Weg zum Heck des Schiffes. Eine Treppe in die Tiefe des Schiffes hinab steigend folgte er dem Nachhall der dunklen Magie. Als er etwa die Hälfte des Weges zurück gelegt hatte hörte er bereits das Wasser rauschen. Wenn er sich nicht beeilte würde das Schiff doch noch sinken. Er eilte die Treppe hinunter und stürmte den Gang entlang der bereits Knöcheltief unter Wasser stand. Am ende des Ganges war ein Leck in der Bordwand das etwa doppelt so gross war wie das letzte und es war unter dem Wasserspiegel. Er wusste das er nicht genug Zeit hatte um die Energie aufzubringen die nötig wäre das Leck gegen den Druck der Wassermassen zu schliessen. Aber er konnte den Gang versiegeln.

Er konzentrierte sich auf die Energie die nötig war um eine Barriere aus Holz an den Öffnungen des Ganges zu errichten und das Wasser so am weiteren Eindringen zu hindern. Er hoffte das das reichen würde um das Schiff zu sichern.

Die letzte Barriere hatte sich gerade geschlossen da spürte er ganz in seiner nähe das aufwallen dunkler Energie. Er wirbelte herum…

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Sie hatte ihn überschätzt. Für einen Atemzug ärgerte sich Mae über sich selbst, doch dann begriff sie: Es gab wichtigeres. Umbringen konnte sie die Zeugen später immer noch, falls sie Schwierigkeiten machen würden. Wo es keine Probleme gab, musste es ja auch nicht immer zwingend Tote geben …
Tenerezu begann die Leute zu verteilen, Yasokul hingegen hob den Kopf. Alarmiert sah er richtung Unterdeck und dann ging er bereits los. Und noch bevor er die Treppen erreichte, fühlte Mae bereits das Aufwallen der Energie, fühlte sie die verschobenen Strukturen und hasste magiekundige mehr denn je.
Yasokul eilte unter Deck um das Loch zu flicken, und zu Tenerzu tretend legte ihm Mae, obwohl sie mehr als zwei Kopf kleiner war, die Hand auf die Schulter. „Wir müssen unter Deck.“
Die Mannschaft sollte ruhig hier oben bleiben, denn die Person, die ein Problem bedeutete, war dort unten. Ihre gekreuzten Klingen würden ihr dort nichts helfen, also zog sie die zwei geschwungenen Dolche aus ihrem Gürtel, deren Länge ihren Unterarm nicht übertraf. Kurz und präzise, ausreichend für Stiche ins Herz, die Niere oder Milz. ausreichend um effektiv zu töten.
Yasokul war längst am Werk, während sie Tenerzu lautlos in das Bauch des Schiffes folgte. Der Fremde war hier unten, und das Aufwallen von Magie verriet Mae, dass er in einer der Kabinen sein musste.
Mit dem Kinn deutete sie auf die Türe, die aktuell geschlossen war, da trat auch schon Yasokul in den nassen Gang. Er sah so mitgenommen aus wie Mae sich fühlte, doch das Eine änderte am Anderen nichts. Ihr Feind war in der Kabine und diese schmalen Räume waren nicht ausreichend breit für einen Kampf drei gegen einen. Fragend sah Mae von Tenerezu zu Yasokul. Eigentlich war die Entscheidung leicht zu treffen: Yasokul musste seine Kräfte schonen, um das Loch zu flicken. Tenerezu musste auf sich achten, um die Mannschaft zu befehligen, sollte dem Kapitän was geschehen.
Mit einem schiefen Grinsen ließ Mae einmal die verwundete Schulter kreisen. Sie wollte schon immer einmal wissen, wie gut diese elendigen Kokua im Nahkampf waren …

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Tene seufzte und fluchte erneut, diesmal leise und verbittert. Er stand zusammen mit der Frau vor einer verschlossenen Türe. Der Rest des Schiffes war vermutlich sauber, das hiess, nur dieser Raum blieb. Die Frau schien den Kampf alleine aufnehmen zu wollen. Aber er würde einen Teufel tun und zusehen. Helden und Heldinnen waren zwar oft siegreich, aber eben auch ebenso oft tot.

Ein erneuter Seufzer. Dann sollte es eben so sein. Tene bat Reik um dessen Enteraxt und wies ihn mit einem knappen Zeichen an, zu warten. Er schob die Axt in den Gürtel und zog seinen Dolch. Mit einem kurzen Ruck schraubte er den Knauf ab. Darunter kam ein Hohlraum mit einigen eng zusammengerollten Notizen und 4 kleinen Phiolen hervor. Routiniert zog er die Phiolen aus dem Griff, schraubte den Dolch wieder zu und steckte ihn zurück in die Scheide. Er betete zum Zweigesichtigen, dass der Inhalt nach all der Zeit nichts von seiner Wirkung verloren hatte. Dann reichte er der Frau eine davon mit einer klaren, roten Flüssigkeit darin. „Das sollte die schlimmsten Schmerzen lindern“, meine er. „Trinkt.“

Eine andere Phiole ging an den Sukai. „Hier. Trinkt das, es wird euch helfen, euch zu konzentrieren. Versucht, dieses Schiff irgendwie über Wasser zu halten.“

Tene zog die Axt und zerbrach die dritte Phiole an deren Klinge. Eine schwarze, ölige Flüssigkeit rann langsam dem Blatt entlang. Die vierte Phiole nahm er in die rechte Hand. Er wandte sich wieder an die Frau: „Ich werde die Tür eintreten und die Phiole in den Raum werfen. Es sollte unseren Feind zumindest einen Moment ausser Gefecht setzen. Sobald ich werfe, zählt ihr auf drei, und geht dann in den Raum. Versucht hinter ihn zu kommen. Ich folge euch und mache genügend Lärm, um seine Aufmerksamkeit wieder auf mich zu lenken.“ Tene nickte ihr kurz zu.

Dann holte er tief Luft. Mit einem fürchterlichen Tritt fegte er die Tür aus den Angeln und warf die Phiole. Etwas kleines, langes, spitzes sauste an ihm vorbei und hinterliess einen tiefen Schnitt in der Schulter. In diesem Moment gab es einen Knall und einen Lichtblitz. Einen Sekundenbruchteil später quoll dichter Qualm aus dem Raum. „Los!“ schrie Tene drängend und machte sich bereit.

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Yasokuul stürmte zurück aufs Deck. Er hoffte das die beiden ihren Widersacher zur Strecke bringen würden.
Er aber hatte anderes zutun. Die Dunkle Magie hatte weitere Löcher in den Schiffsrumpf gefressen. Wenn er sie nicht schliessen konnte würde auch ein Sieg über den Saboteur sie nicht mehr retten.
Er überlegte fieberhaft was er tun sollte. Er wusste das er bereits viel seiner Energie verbraucht hatte und ohne Hilfe würde er die zwar kleinen aber über das ganze Schiff veteilten Löcher nicht schliessen können.
Nachdenklich blickte er auf die Phiole in seiner Hand. Konnte er dem Großen vertrauen? Andererseits was hatte er für eine Wahl. Er öffnete die Phiole und stürzte den grünlich schimmernden Inhalt mit einem Schluck hinunter.

Plötzlich herrschte eine wohltuende Ruhe um ihn herum. Neue Energie durchdrang ihn. Die Zeit schien wie ein langsamer Rinnsal an ihm vorbei zu plätschern. Er nahm alles um sich herum mit unheimlicher Deutlichkeit wahr. Die heisse Wut der Kämpfenden unter ihm. Die Angst der Besatzung in seiner nähe. Die stärke des Falken über ihm. Die Ruhe der Kreaturen im Meer und dort lag sie die Lösung für ihre Probleme.
Einem Sternenhimmel gleich spürte er tausende kleiner Funken von Energie am Meeresboden.
Behutsam griff er nach den Funken. Er rief sie und sie folgten. Vorsichtig lockte er sie zum Schiff und verband sie dort mit dem Schiffsrumpf.

Einer der Matrosen schrie überrascht auf als ein Teppich aus Muscheln förmlich am Rumpf emporzuwachsen schien und alle Löcher verschloss.
Das Schiff war gerettet der Panzer aus Muscheln würde es stabilisieren bis sie einen sicheren Hafen erreicht hatten.

Die Wirkung des Elixiers liess nach und Yasokuul spürte eine Welle der Erschöpfung über sich herein brechen. Das letzte was er sah bevor er zusammen brach war der Falke der neben ihm landete und sein letzter Gedanke galt den Kämpfenden…

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